Barquilla: Early music with attitude and style

Die amerikanische Sopranistin Sarah M. Newman und Michael Popp, bekannter Spezialist Alter Musik und Leiter mehrerer Ensembles, gründeten zusammen mit dem virtuosen Gitarristen und Lautenisten Thomas Etschmann das neue Ensemble „Barquilla“. Dabei schaffen es die drei, die wundervollen Melodien aus Mittelalter, Renaissance und frühem Barock zu neuem, aufregendem Leben zu erwecken.

Im aktuellen Programm „LONTANANZA“ präsentiert das Ensemble Musik aus dem goldenen Zeitalter Spaniens. Dabei kommen Werke von Juan del Encina (1468–1530), Juan Hidalgo (ca. 1614–1685), und Jose Marin (ca. 1619–1699) zum erklingen. In der Kombination von Sarahs sängerischer und theatraler Erfahrung, Michaels Know-how und Thomas’ bezaubernd-virtuosem Spiel entfaltet sich ein eindrucksvoller musikalischer Kosmos, für den Zuhörer eine einzigartige Reise durch musikalische Zeiten. Gekleidet in Gewänder, die von Sarah entworfen und von der Farbenpracht vergangener Jahrhunderte inspiriert sind (ihr eigenes Kleid basiert auf dem berühmten Lucas Cranach Vorbild), erreicht es das Ensemble nicht nur musikalisch sondern auch optisch, „Alte Musik“ spontan und lebendig im Konzert erlebbar zu machen.

Barquilla

Auf dem Bild (von links nach rechts): Thomas Etschmann, Sarah M. Newman, Michael Popp – Foto © Jens Heilmann Fotographie

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Sarah M. NewmanSarah M. Newmann

Die amerikanische Sopranistin Sarah M. Newman studierte Gesang an der Juilliard School und der Manhattan School of Music in New York City. Ihr Repertoire reicht von Alter Musik über Lied und Oper bis hin zu zeitgenössischer Musik und Musical. Sie ist Mitglied des bekannte n Mittelalterensembles ESTAMPIE sowie dem Palestrina Ensemble. Darüber hinaus gründete sie mit Michael Popp die Gruppe VocaMe, ein Vokal Ensemble, das sich mit den byzantinische Gesängen der Hl. Kassia (9. Jhd) beschäftigt.

An der Oper der Manhattan School of Music sang sie in Mozart’s „Zauberflöte“ und „Don Giovanni“ sowie in Poulencs „Les Dialogues des Carmélites“. Dezweiteren gastierte sie an der Lake George Opera in Floyds „Susannah“, Rossinis „La Cenerentola“ und Bernsteins „Candide“. Beim Tanglewood Festival sang sie unter der Leitung von Robert Spano in Ravels „L’Enfant et les Sortileges“. Außerdem trat sie als Susanna und Barbarina in Mozarts „Le Nozze di Figaro“, als Pamina in Mozarts „Zauberflöte“, Lakmé in Delibes’ „Lakmé“, sowie als Gretel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ auf und wirkte bei der amerikanischen Erstaufführung von Friedrich Cerhas „Four Höldern Fragments“ und beim Avantgarde-Oratorium „Justine’s Red“ mit.

Sie trat als Solistin mit dem Münchener Bachchor in der Münchener Theatinerkirche auf und sang auf renommierten, internationalen Festivals wie dem Festival van Flaanderen, den Landshuter Hofmusiktagen u.a.

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Michael PoppMichael Popp

Michael Popp studierte am Mozarteum in Salzburg, u. a. historische Aufführungspraxis bei Nikolaus Harnoncourt. Er gründete er zusammen mit Sigrid Hausen und Ernst Schwindl das Ensemble für mittelalterliche Musik ESTAMPIE, das sich mit zehn CDs, einer DVD, zahlreichen Rundfunk- und Fernsehaufnahmen und vielen Konzerten in In- und Ausland einen bedeutenden Namen gemacht hat.

Immer wieder neu setzte sich ESTAMPIE mit Alter Musik auseinander. So entstanden Kooperationen mit mongolischen und zentralasiatischen Musikern für das Projekt „Marco Polo“ oder mit arabischen und spanischen Musikern für das Projekt „al Andaluz“, um denen es auch CDs und DVDs gibt.

1993 war er Mitbegründer der Mittelalter-Elektro-Gruppe „Qntal“, die auf intelligente und experimentelle Weise beide Genres zu verbinden sucht. Darüber hinaus arbeitete Popp auch immer spartenübergreifend und wirkte bei sehr vielen Theater-, Tanz- und Performanceprojekten mit.

Mit dem Ensemble ESTAMPIE entstanden u. a. „Ordo virtutum“ (1991), „Ludus Danielis (1996), „Materia Musica“ (1998), „Zeitenwende“ (2001), „Der Erwählte“ nach Thomas Mann (2004) sowie die Theatermusiken für „Krabat“ (1997) und „Animal Farm“ (1999).

Auch als Theatermusiker und -komponist war Popp tätig: u. a. am Münchner Residenztheater („Der Glöckner von Notre Dame“), an den Münchner Kammerspielen („Der Arme Heinrich“), am Wiener Burgtheater („Titus Andronicus“), in Basel („Parzival“ nach Wolfram von Eschenbach) sowie mit vielen freien, experimentellen Theatergruppen.

Im Jahre 2008 gründete er das Ensemble „VocaMe“, das die byzantinischen Gesänge der Hl. Kassia (9.Jhd) zu neuem Leben erweckt. Dieses Ensemble erlangte bereits nach kurzer Zeit internationale Bedeutung und konzertierte u.a. in Holland, Spanien, Luxemburg, Schweden und Kanada sowie in Deutschland auf dem Rheingaufestival, dem fränkischen Musiksommer und dem Festival „Musica Sacra“ in Marktoberdorf auf.

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Thomas EtschmannThomas Etschmann

Thomas Etschmann studierte Gitarre bei Eliot Fisk am Mozarteum Salzburg. Sein Interesse gilt neben der klassischen Musik auch dem Jazz (Tourneen unter anderem mit Mal Waldron) und der alten Musik (Studium der Renaissancelaute an der Musikhochschule Karlsruhe bei Jürgen Hübscher).

Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe (Radio France-Paris, Seto Ohashi-Japan, Mauro Giuliani-Italien) »fasziniert das Publikum durch die nahezu unerschöpflich scheinenden Ausdrucksmöglichkeiten der sechs Saiten« und lässt dabei seine »immense Technik vergessen«. In der Fachwelt machte er sich einen Namen durch seine Interpretationen zeitgenössischer Gitarrenmusik genauso wie durch seine musikalischen Grenzgänge zwischen Folklore, Jazz und Klassik.

Seine CDs mit dem kolumbianischen Serenatensänger Jaime Liemann und dem cubanischen Bolerostar Argelia Fragoso „Havanna Feelings“ mit Musik zum gleichnamigen Film, belegen dies eindrucksvoll. Er wirkte unter anderem bei der Münchner Biennale unter Leitung von Hans Werner Henze mit und wurde wiederholt als Solist auf Konzertreisen nach Japan eingeladen. Neben seiner Tätigkeit als Interpret findet er immer wieder Zeit für eigene Kompositionen für Gitarre solo, Kammermusik mit Gitarre und Filmmusik. Seine Konzerte nennt die neue Musikzeitung schlicht »Sternstunden«. Die 2004 erschienene CD „Erik Satie – musiques intimes et secrètes“ ist das Ergebnis einer mehrjährigen Auseinandersetzung mit einer der interessantesten Persönlichkeiten der europäischen Musikgeschichte. 2012 erscheint die neue CD „Between – Jazz or not“, für Gitarre solo mit Eigenkompositionen und Werken von Thelonius Monk, Carlos Jobim und Egberto Gismonti, die Raum für Improvisation bieten. Daneben arbeitet er mit dem Orchester des Staatsheaters am Gärtnerplatz/München zusammen, macht Bühnenmusik für das Residenztheater/München. Rhythmisch, perkussive Tanzbegleitung in der Volksmusik, transzendente Gesanglichkeit in der Kunstmusik, diese Gegensätze zu verbinden ist das zentrale Thema im Schaffen dieses Künstlers. Sein Programm „Folias“ – spanische Tanzmusik auf der Barockgitarre, Flamencogitarre und klassischen Gitarre ließ den Kritiker „beinahe den Verstand verlieren vor Begeisterung“.

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